• Dr. Mirjam Wagner

Mysterium weiblicher Zyklus

Jeden Monat beginnt er aufs neue und begleitet uns von Pubertät bis Menopause: Der weibliche Zyklus. Er hat Einfluss auf unsere Stimmung, Haare, Haut, Körperbewusstsein, Lust und vieles mehr. Häufig wissen wir gar nicht so richtig, was da wirklich in uns abgeht. In der Theorie sind alle Abläufe bekannt. Aber wem wurde das eigentlich in der Schule oder von den Eltern verständlich erklärt?


Für viele ist der weibliche Zyklus noch immer ein Mysterium. Damit das nicht so bleibt, hier die wichtigsten Infos dazu kompakt und einfach erklärt:


Zyklus Fakten to go

  • Von Geburt an sind etwa ein bis zwei Millionen Eizellen in den Eierstöcken angelegt. Zum Zeitpunkt der ersten Periode sind es noch 400.000 Eizellen.

  • Die erste Periode, auch Menarche genannt, bekommen Mädchen etwa zwischen dem 9. und 16. Lebensjahr. Der Durchschnitt liegt bei 12,5 Jahren.

  • Der weibliche Zyklus hat ca. 28 Tage. Die „normale“ Spanne liegt zwischen 22-35 Tagen.

  • Der weibliche Zyklus wird in drei Phasen unterteilt: die Proliferations- oder Follikelphase, die Ovulation und die Lutealphase. Vier Hormone sind hierbei wichtig: 1. Östrogen, 2. Follikelstimulierendes Hormon (FSH), 3. Luteinisierendes Hormon (LH) und 4. Progesteron. Mehr dazu gleich.

  • Ein neuer Zyklus beginnt immer mit dem ersten Tag der Menstruation. Ja, am ersten Tag der Blutung, nicht am Letzten.

  • Der Eisprung findet in der Mitte des Zyklus statt.

  • Eine Eizelle ist ca. 12-16 Stunden (maximal 24 Stunden) befruchtungsfähig. Spermien leben/“überleben” im weiblichen Körper zwischen zwei und fünf Tagen. Das heißt, an maximal sechs Tagen im Zyklus kann man schwanger werden. Beispielsweise sind die fruchtbaren Tage bei einer Zykluslänge von 28 Tagen die Tage 9 bis 15.

  • Mit dem Eisprung bis spätestens 2 Tage dannach steigt meist die Körpertemperatur um 0,2-0,5°C an.

  • Als Wechseljahre oder Klimakterium wird der Zeitraum der hormonellen Umstellung vor der letzten Periode - der Menopause - bezeichnet. Beginn und Dauer der Wechseljahre sind von Frau zu Frau sehr unterschiedlich. Der Durchschnitt liegt hier bei 47,5 Jahren. Mit 52 Jahren haben etwa die Hälfte aller Frauen ihre letzte Regelblutung hinter sich. Der Zeitraum nach der letzten Regelblutung wird im deutschsprachigen Raum Perimenopause genannt, im Amerikanischen heißt sie weiter Menopause.


Der weibliche Zyklus - ein wiederkehrender Akt in drei Teilen


Zum besseren Verständnis: Der Verlauf des Zyklus mit Hormon-Schleimhaut-Diagramm ;-)


Teil 1: Die Proliferations- oder Follikelphase

Sie steht im Zeichen von Neustart und Wachstum und beginnt mit dem ersten Tag der Menstruationsblutung. Die alte Schleimhaut wird abgestoßen. Das weibliche Geschlechtshormon Östrogen (Hormon Nr.1) sorgt für den Neuaufbau der Schleimhaut. Gemeinsam mit dem Follikelstimulierenden Hormon, kurz FSH (Hormon Nr.2) bewirkt es das Follikelwachstum in den Eierstöcken. Jeder Follikel enthält in der Regel eine Eizelle. Pro Menstruationszyklus reifen etwa 15-20 Follikel heran. Das Östrogen lässt uns sexy und voller Energie fühlen. Es macht also alles bereit zur Befruchtung.


Teil 2: Die Ovulation

Die hohe Östrogenkonzentration in der Mitte des Zyklus führt zu einem sprunghaften Anstieg des Luteinisierenden Hormons, kurz LH (Hormon Nr.3), welches dann - endlich - den Eisprung auslöst. Meist schafft nur ein Follikel, das sogenannte dominante Follikel, den Eisprung. Manchmal sind es aber auch zwei oder sogar mehr. Das Ei wird von dem Eileiter aufgefangen und schwimmt durch ihn in Richtung Gebärmutterhöhle. In der Mitte des Zykluses ist deshalb - dem Östrogen sei Dank - unsere Lust am höchsten. Klar, das Ei will befruchtet werden ;-) .

Übrigens: Kommt es zur Befruchtung, findet diese bereits im Eileiter statt.


Teil 3: Die Lutealphase

Sie steht im Zeichen von Nestbau. Maßgeblich hierfür ist das weibliche Geschlechtshormon Progesteron (Hormon Nr. 4). Es wird von der nach dem Eisprung überbleibenden Follikelhülle produziert, welche auch Gelbkörper oder Corpus luteum genannt wird - daher der Name Lutealphase. Die Schleimhaut bleibt hoch aufgebaut und wird gut durchblutet, so dass sich ein befruchtetes Ei gerne einnisten möchte. Das Progesteron macht außerdem, dass wir uns in dieser Phase nach etwas Ruhe und Bindung sehnen. Schon wieder ganz schön clever, die Natur.


Wird das Ei allerdings nicht befruchtet, leitet der Körper die nächste Menstruation ein. Der Progesteronspiegel sinkt, Schleimhaut und Ei bluten ab. Dies ist der Anfang des nächsten Zyklus. Der Kreislauf beginnt von vorn.


Wo im Zyklus können Schmerzen auftreten und warum?


1. In der Mitte des Zyklus

Wie oben erklärt, “platzt” bei jedem Eisprung eine Follikelzyste. Dabei wird etwas Flüssigkeit frei, die im Bauchraum zu Reizungen oder Schmerzen führen kann. Das ist die wahrscheinlichste Theorie dahinter. Frauen, die besonders achtsam mit sich sind, merken ihren Eisprung häufig ganz genau. Sie beschreiben zumeist ein einseitiges Zwicken in der Mitte des Zyklus.


2. Ein bis drei Wochen vor der Menstruation

Hier können alle Beschwerden des prämenstruellen Syndroms (PMS) auftreten. Es sind über 150 Symptome beschrieben, zum Beispiel: Stimmungsschwankungen bis depressive Episoden, Rückenschmerzen, Gereiztheit, Kopfschmerzen, Migräne, Akne, u.v.m..

Mehr dazu könnt ihr in meinem Artikel “Dem PMS-Monster auf der Spur” in diesem Blog lesen: https://www.gynsprechstunde.de/post/dem-pms-monster-auf-der-spur


3. Krämpfe während der Menstruation

Die Menstruationsbeschwerden werden in der Regel durch das Zusammenziehen der Gebärmutter verursacht, was als schmerzhafte Krämpfe empfunden werden kann. Dabei löst sich die alte Schleimhaut und blutet ab.

Interessanter Medizin Fakt: Alkohol und Kaffee können die Menstruationsbeschwerden verstärken. Alkohol entzieht dem Körper Wasser und Magnesium, Koffein kann die Blutgefäße verengen und damit zu einer schlechteren Durchblutung führen. Beides verschlimmert die schmerzhaften Krämpfe und sollte deshalb bei Menstruationsbeschwerden besser vermieden oder zumindest nur in Maßen genossen werden.


Zusätzlich können Entzündungen, Endometriose, Fremdkörper, Myome oder Polypen Beschwerden machen. Bei stärkeren oder anhaltenden Schmerzen lohnt sich also immer der Gang zur Gynäkologin.


Tipp von der Fachfrau


Der weibliche Zyklus ist der Hammer, nicht wahr? All die biologischen Prozesse, welche in uns ablaufen und die unterschiedlichsten Gefühle, Stimmungen und Empfinden verursachen. Und so mysteriös oder schwer zu verstehen ist er gar nicht, oder? Ich hoffe, ich konnte mit diesem Artikel zu mehr Aufklärung beitragen und das ein oder andere Licht ins Dunkel bringen.

Es ist so wertvoll seinen eigenen Zyklus zu kennen. Nicht nur, um Schmerzen zu vermeiden oder wenn man schwanger werden möchte. Jederzeit können wir seine Phasen für uns nutzen. Am Anfang des Zyklus können wir beispielsweise am besten voller Energie und Kreativität in neue Projekte starten. Am Ende des Zyklus empfiehlt es sich, sich bewusst etwas mehr Ruhe und Wellness zu gönnen. Um sich selbst und seinen Zyklus besser kennen zu lernen, empfehle ich jeder Frau einen Zykluskalender zu führen. Wenn man dann noch Fragen zu seinem Zyklus oder Beschwerden hat, hat man damit eine super gute Grundlage für das Gespräch mit der Frauenärztin.




Ärztlicher Disclaimer:

Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich zur allgemeinen Information und ersetzen niemals die Beratung und Behandlung durch einen Arzt.

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