top of page
Suche
  • mirjamwagner86

Inkontinenz nach der Geburt ūüü° Jede 3. ist betroffen!

Du hast ein Kind geboren und seither Probleme deinen Urin zu halten? Das ist keine Seltenheit. Denn Inkontinenz ist nicht nur ein Problem des Alters. Statistisch gesehen wird jede 3. bis 4. Frau beziehungsweise Mensch mit Geb√§rmutter irgendwann in ihrem Leben, zumindest vor√ľbergehend, harninkontinent.


Nach der Geburt spielt vor allem die sogenannte Belastungsharninkontinenz eine Rolle. Aber auch eine Stuhlinkontinenz kann vorkommen. Leider wird viel zu wenig dar√ľber gesprochen, denn die Inkontinenz liegt voll in der Tabuzone. Und da mir Tabuzonen besonders gut gefallen, entfernen wir in diesem Beitrag der Inkontinenz ihre deskrete Slipeinlage und werden sichtbar. Du lernst, wie und warum Inkontinenz nach der Geburt entsteht, welche Risikofaktoren dabei eine Rolle spielen und was man alles dagegen tun kann.


Was bedeutet Inkontinenz?


Wenn man √ľber Inkontinenz spricht, unterscheidet man die Harninkontinenz, bei der man unfreiwillig Urin verliert, von der Stuhl- oder Flatusinkontinenz, bei der man den Stuhlgang oder Winde nicht halten kann. Beides kann kurz- oder langfristig nach einer Geburt vorkommen.


Die häufigsten Formen der Harninkontinenz sind die Belastungsinkontinenz und die Dranginkontinenz. Während der Schwangerschaft und nach der Geburt kann es zu einer Belastungsinkontinenz kommen. Meistens macht sie sich durch Urinverlust beim Husten, Niesen oder Sport bemerkbar. Bei höheren Schweregraden sogar beim Gehen, Aufstehen oder Liegen. Man nennt sie auch Stressinkontinenz. Dabei kommt es wegen einer Verschlussschwäche der Harnröhre nach Überdehnung oder Verletzung der Muskulatur beim Druckanstieg im Bauchraum zum Verlust von Urin.

Die Drang- oder Urgeinkontinenz tritt eher bei √§lteren Menschen oder im Zuge neurologischer Erkrankungen auf. Hierbei reagiert die Blasenmuskulatur √ľberempfindlich auf F√ľllung, weshalb ein st√§ndiger Harndrang entsteht.


Kann man den Stuhl oder Winde nicht halten oder ausreichend kontrollieren, spricht man von einer Stuhl- oder Flatusinkontinenz. Auch das kann nach einer Geburt, vor allem nach höhergradigen Geburtsverletzungen, vorkommen.


Wie viele Menschen leiden an einer Belastungsharninkontinenz nach der Geburt?


Eine Belastungsharninkontinenz nach der Geburt ist ein h√§ufiges Problem, was in der Anfangszeit nach einer vaginalen Geburt 25-33% aller M√ľtter betrifft. Bei circa 6 % bleibt sie dauerhaft bestehen. Aber auch nach einem Kaiserschnitt kann sie vorkommen. Denn alleine die Schwangerschaft stellt schon durch die k√∂rperliche Belastung einen Risikofaktor dar.

Die Dunkelziffer ist vermutlich h√∂her, denn sch√§tzungsweise 70 % aller Betroffenen sprechen das Thema nicht in der gyn√§kologischen Praxis an. Gr√ľnde daf√ľr sind Scham, das Zur√ľckstellen der eigenen Bed√ľrfnisse als Mutter und schlichtweg das fehlende Wissen, dass Inkontinenz in und im ersten Jahr nach der Schwangerschaft nicht normal ist.

Dabei gibt es gute Therapiemöglichkeiten, mit denen die Inkontinenz vollständig geheilt oder zumindest deutlich gelindert werden kann und damit die Lebensqualität massiv steigt.


Und wie häufig kommt die Stuhl- oder Flatusinkontinenz vor?


Viel √∂fter als man denkt. In einer Studie in der Berliner Charit√© gab sechs Wochen nach der Geburt jede dritte Frau an, den unwillk√ľrlichen Abgang von Darmgasen nicht vermeiden zu k√∂nnen. Fast jede f√ľnfte hatte gelegentlich Probleme mit der Stuhlkontrolle. Aus weiteren Studien geht hervor, dass drei Monate nach der Geburt noch eine von zehn Frauen √ľber gelegentliche Stuhlinkontinenz berichtet.


Um zu verstehen, wo bei der Belastungsinkontinenz das Problem liegt, schauen wir uns den Beckenboden einmal genauer an:


Unter dem Begriff Beckenboden werden alle Muskeln zusammengefasst, die den muskulären Boden des Beckens bilden und den Blasenhals und den Schließmuskel umgeben. Zu den wichtigsten Muskelgruppen zählen:


Der Musculus pubococcygeus,auch PC-Muskel genannt: Dieser Muskel verläuft vom Schambein bis zum Steißbein und umschließt den Scheideneingang sowie den After. Er ist der wichtigste Muskel des Beckenbodens und spielt eine entscheidende Rolle bei der Kontrolle von Blase und Darm.

Der Musculus iliococcygeus: Dieser Muskel verl√§uft vom Darmbein bis zum Stei√übein und unterst√ľtzt den PC-Muskel bei der St√ľtzung der inneren Organe.

Der Musculus puborectalis: Dieser Muskel bildet einen Ring um den Enddarm und hilft dabei, den Stuhl zu halten und den After zu verschließen.


W√§hrend der Schwangerschaft bewirken die Schwangerschaftshormone zur Vorbereitung auf die Geburt, dass die B√§nder weicher und dehnbarer werden. Der Druck der Geb√§rmutter mit Kind sowie die vaginale Geburt kann die Beckenbodenmuskulatur dadurch leichter √ľberdehnen und schw√§chen. Und das kann die Kontrolle √ľber Blase und Darm beeintr√§chtigen.


Was sind Risikofaktoren, die eine Inkontinenz in oder nach einer Schwangerschaft beg√ľnstigen?


1. Übergewicht der Gebärenden, vor und während der Schwangerschaft, sowie die starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft und ein Schwangerschaftsdiabetes.

2. ein hohes Geburtsgewicht des Kindes

3. eine lange Austreibungsperiode und lange aktive Pressphase. Die Austreibungsperiode ist die letzte Phase der Geburt, ab dem Zeitpunkt, wenn der Muttermund vollständig ist, bis das Kind geboren wird.

4. Gr√∂√üere Geburtsverletzungen oder Dammschnitte. Bei einem Dammriss dritten und vierten Grades ist die Sphinctermuskulatur um den Anus verletzt, was zu Verschlussproblemen f√ľhren kann. In den meisten F√§llen heilen aber auch hochgradige Dammverletzungen nach korrekter Nahtversorgung zur vollst√§ndigen Funktionsf√§higkeit.

Au√üerdem beg√ľnstigen Rauchen und chronischer Husten, ein von der Natur aus schw√§cheres Bindegewebe und das steigende Alter der Geb√§renden die Entstehung einer Inkontinenz.


Unmittelbar nach der Geburt sollte auf regelm√§√üiges Wasserlassen geachtet werden, damit es nicht zu einer √úberdehnung der Blase kommt. Bei einer bereits bestehenden Belastungsharninkontinenz kann sich diese zwar theoretisch in der zweiten Schwangerschaft und unter Geburt verschlimmern, der Hauptschaden findet allerdings in der Regel bei der ersten Geburt statt. Tats√§chlich hat man nach einer vaginalen Geburt generell ein h√∂heres Risiko, im Laufe seines Lebens eine Belastungsinkontinenz zu entwickeln, als nach einem Kaiserschnitt. Allerdings bringt eine Operation andere Risiken mit sich, weshalb f√ľhrende Fachgesellschaften den Kaiserschnitt nur nach guter Abw√§gung und bei weiteren medizinischen Gr√ľnden empfehlen.


Was kann ich tun, wenn ich unter Belastungsinkontinenz nach der Geburt leide?


An erster Stelle ist es wichtig, sich seiner nachsorgenden Hebamme und der Frauen√§rztin oder dem Frauenarzt anzuvertrauen, damit gemeinsam eine Therapiestrategie erarbeitet werden kann. Hier gilt, je fr√ľher, desto besser. In den meisten F√§llen kann die Inkontinenz mit etwas Geduld gut behandelt werden und es gibt so oder so keinen Grund, still zu leiden.


Maßnahmen, die bei Inkontinenz helfen können, sind:


1. Gezieltes Beckenbodentraining

Nach einer Spontangeburt sollte, je nach Geburtsverletzungen, nach 4-6 Wochen und nach einem Kaiserschnitt nach 6-8 Wochen damit begonnen werden.

R√ľckbildungskurse finden unter professioneller Anleitung von Hebammen oder Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten statt und werden von der Krankenkasse erstattet. Es gibt auch gute Onlinekurse. Der Beckenboden braucht etwa 3 bis 6 Monate, bis eine Kr√§ftigung sp√ľrbar wird.


2. Gesunde Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität

Eine ausgewogene Ern√§hrung mit ausreichender Fl√ľssigkeitszufuhr und regelm√§√üige Bewegung wirkt sich positiv auf die Verdauung aus. Gerade Verstopfung kann bei Inkontinenz zum Problem werden, weil starker Druck dem Beckenboden schadet. Auch harntreibende Getr√§nke wie Kaffee oder gr√ľnen Tee sollten bei einer Blasenschw√§che nur in Ma√üen genossen werden. Au√üerdem st√§rken Beckenboden-schonende aber kr√§ftigende Sportarten die Muskulatur. Hierzu z√§hlen zum Beispiel Yoga, Pilates und Schwimmen. Tennis, Trampolinspringen oder je nach Lauftechnik auch Joggen k√∂nnen den Beckenboden belasten.


3. Gewichtskontrolle oder Gewichtsabnahme

√úbergewicht erh√∂ht den allgemeinen Druck des K√∂rpers auf den Beckenboden und wirkt daher kontraproduktiv. Und hierf√ľr sind wieder eine regelm√§√üige Bewegung und gesunde Ern√§hrung wichtig.


4. Das Heben schwerer Gegenstände vermeiden.

Es gibt keine generelle Empfehlung, wie viel Kilo Heben gut oder schlecht f√ľr den K√∂rper ist, da jeder Mensch individuelle Kapazit√§ten hat. In der Gyn√§kologie wird als grober Anhaltswert h√§ufig von 5 Kilogramm als Grenze gesprochen. Wichtig ist es, bei jedem Heben den Beckenboden zu aktivieren. Wer sein Kind gerne in einem Tragetuch tr√§gt, sollte darauf achten, dass dieses korrekt sitzt und nicht unn√∂tig den Beckenboden belastet. Eine kompetente Trageberatung kann hier Gold wert sein.


5. Die Verwendung von Inkontinenzprodukten

Inkontinenzprodukte wie Binden k√∂nnen Frauen helfen, sich sicherer zu f√ľhlen und unangenehme Situationen vermeiden. Aber das ersetzt nat√ľrlich keine Therapie. Ab Mitte 30 auf entsprechende Binden angewiesen zu sein, soll nicht die L√∂sung sein - wenn es andere Optionen gibt.


Welche Diagnostik wird in der gynäkologischen Praxis gemacht?


Nach einem ausf√ľhrlichen Gespr√§ch zur Schwangerschaft und dem Geburtsverlauf, werden die genauen Beschwerden erfragt, also wann genau wird der Urin verloren, gibt es Ausl√∂ser, wie Husten und Niesen und so weiter. Au√üerdem wird auf Vorerkrankungen und Medikamente geachtet, die eine Inkontinenz f√∂rdern k√∂nnen. Das F√ľhren eines Miktionstagebuchs √ľber circa 2 Wochen erm√∂glicht es au√üerdem R√ľckschl√ľsse auf ung√ľnstige Trink- oder Toilettengewohnheiten oder andere Verhaltensmuster zu ziehen, die f√ľr die Inkontinenzverantwortlich sein k√∂nnten.

Zu den Untersuchungen gehören: die Urindiagnostik im Labor zum Ausschluss von Infektionen, eine Messung des nach dem Wasserlassens in der Blase verbleibenden Urins, auch Restharn genannt, mittels Ultraschall, die Tastuntersuchung und Spekulumuntersuchung zur Beurteilung der Beckenbodenmuskulatur und eventuell abgesenkter Gebärmutter oder eine sich in die Vagina wölbende Blase oder Enddarm. Mit dem Hustentest, bei dem die Betroffene gebeten wird, mit voller Blase zu Husten, kann eine Belastungsinkontinenz provoziert werden.

Reichen die genannten Untersuchungen f√ľr eine Diagnose nicht aus, k√∂nnen weitere Untersuchungen bei einer Urogyn√§kologin oder einem Urogyn√§kologen gemacht werden.


Welche Therapien bieten √Ąrzt*innen und andere Therapeut*innen an?


Die Therapie der Inkontinenz darf sehr individuell auf die Situation und Bed√ľrfnisse der Betroffenen abgestimmt werden. Zu den M√∂glichkeiten geh√∂ren:


1. Das Biofeedback

Biofeedback-Ger√§te werden in die Vagina eingef√ľhrt und messen dort die Anspannung der Beckenbodenmuskulatur. Dadurch kann kontrolliert werden, ob Kr√§ftigungs√ľbungen korrekt durchgef√ľhrt und ein Erfolg protokolliert werden. Auch sogenannte Vaginalkonen arbeiten nach dem Bio-Feedback-Prinzip. Hierbei handelt es sich um kleine, verschieden schwere Gewichte, die √§hnlich wie ein Tampon in die Vagina eingef√ľhrt werden. Die Ger√§te k√∂nnen √§rztlich per Rezept verschrieben werden


2. Pessare

Ein Pessar st√ľtzt die Harnr√∂hre und die Blase bei k√∂rperlicher Aktivit√§t. Es wird von den Frauen selbst eingef√ľhrt und auch wieder entfernt. Es gibt sie aus Silikon oder einer Art Schaumstoff. Schon w√§hrend der ersten Phase der R√ľckbildung k√∂nnen sie die Heilung unterst√ľtzen, indem sie den Beckenboden mechanisch an seinen urspr√ľnglichen Platz zur√ľckschieben und dort das Wiederverkleben m√∂glicher bindegewebiger Ausrisse unterst√ľtzen kann.


3. Die transkutane elektrische Nervenstimulation, auch TENS genannt

Stromimpulse k√∂nnen den Anal- und Vaginalschlie√ümuskel trainieren. Das macht vor allem Sinn, wenn unter der Geburt eine Sch√§digung der Nervenbahnen vermutet wurde und die Betroffenen infolgedessen die Beckenbodenmuskeln nicht mehr so gut sp√ľren. Auch bei extrem untrainierten Muskeln ist die Elektrostimulation empfehlenswert. Es gibt sogar Kombinationsger√§te, die Biofeedback und TENS vereinen.


4. Der CO2-Laser

Bei leichten Formen der Belastungsharninkontinenz kann ein CO2 Laser eingesetzt werden. Die Laserstrahlen sollen eine Verdickung und st√§rkere Durchblutung der Vaginalhaut bewirken, was dann zu einer verbesserten Kontinenz und Straffung der Vagina f√ľhrt.


5. Medikamente

Medikamente gegen Belastungsharninkontinenz werden im j√ľngeren Alter eher selten eingesetzt. Hier k√∂nnen sogenannte Serotonin-Reuptake-Inhibitoren zum Einsatz kommen. Im Alter darf zudem auf die √Ėstrogenisierung der Vaginalschleimhaut geachtet werden.


6. Operative Therapien

F√ľhren all diese Verfahren nicht zum gew√ľnschten Erfolg, k√∂nnen auch Operationen in Erw√§gung gezogen werden, wobei diese eher im Alter eingesetzt werden. Hierzu kommt das Einsetzen eines Bandes oder eine Unterspritzung der Harnr√∂hre in Frage, gegebenenfalls in Kombination mit Senkungsoperationen.


Wow, das war jetzt viel Information auf einmal. Das darfst du erstmal in Ruhe verdauen und dann frisch motiviert dein Problem - wenn vorhanden - angehen. Wie du nun weißt, bist du nicht alleine damit und es gibt viele Möglichkeiten dir zu helfen und Menschen, die dir helfen und dich kompetent begleiten können.



Quellen:

30 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
bottom of page